Amnesty-Gottesdienst „FREIHEIT“

AI-Gottesdienst 2019

Bild: Badisches Tagblatt 12-2019

„Rechte und Pflichten im Blick“

Gruppe von Amnesty International gestaltet Gottesdienst in Spitalkirche mit

Die altkatholische Pfarrgemeinde hat am Sonntag, 15.12.2019, mit Mitgliedern der Baden-Badener Gruppe von Amnesty International (AI) einen Gottesdienst gefeiert. Anlass war der Tag der Menschenrechte, an den die Vereinten Nationen immer am 10. Dezember erinnern.

Es war nach der viel beachteten Premiere im vergangenen Jahr das zweite Mal, dass Mitglieder der Menschenrechtsorganisation eine Messe in der Spitalkirche mitgestalteten, und diesmal war die Kirche fast voll besetzt. Im Mittelpunkt stand das Thema „Freiheit“. 
„Angstfrei zu leben“, antwortete gleich zu Beginn ein Kirchenbesucher auf die Frage von Pfarrer Timo Vocke, was denn unter Freiheit überhaupt zu verstehen sei. „Anzunehmen was ist“, antwortete ein weiterer,  „Mitbestimmung“ ein Dritter.
Die Sprecherin der AI-Gruppe, Ute Bergmann, erinnerte daran, dass es neben den Menschenrechten auch Menschenpflichten gibt, die ehemalige Staats- und Regierungschefs – unter ihnen der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt und der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter sowie der Theologe Hans Küng – in den 90er Jahren unterzeichnet haben. 
Mitglieder der Menschenrechtsgruppe lasen dann abwechselnd Menschenrechte und -pflichten vor und erläuterten sie. Martina Deiters zitierte zur Menschenpflicht der Meinungs- und Informationsfreiheit den von den Nazis ermordeten Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, der gesagt hat: „Wer sich von Gefühlen überwältigen lässt, wer jeder Stimmung nachgibt und seine Tageslaunen zum Maßstab seines Lebens macht, der ist zwar ungebremst, aber nicht frei. Sich im Zaum halten, auf langfristige Ziele hinarbeiten, seine Launen, Antipathien und spontane Gefühlswallungen unter Kontrolle zu halten, das macht innerlich frei. Aus dieser Freiheit wächst die Fähigkeit, nicht das Beliebige, sondern das Rechte zu tun.“
Diese Menschenpflicht habe durch das Internet eine besondere Bedeutung erlangt, denn durch die Anonymität bestehe die Gefahr des Missbrauchs, erklärte Deiters.
Zu dem von Manfred Baumann zitierten Artikel 1 der Menschenpflichten, „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, nach dem jeder Mensch die Pflicht hat, alle Menschen menschlich zu behandeln, betonte Annekatrin Kemmner, es sei ihr wichtig, immer wieder zur eigenen Verantwortung zurückzukehren, gemäß dem Grundsatz Mahatma Gandhis, selbst der Wandel zu sein, den man in der Welt sehen wolle. 
Alle Anwesenden sangen zusammen das Volkslied „Die Gedanken sind frei“.
Nach dem Gottesdienst verteilten die AI-Mitglieder an die Gläubigen Informationsblätter über den chinesischen Menschenrechtsanwalt Wang Quanzhang, der wegen angeblicher Untergrabung der Staatsmacht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist. Amnesty fordert die bedingungslose Freilassung Wangs.
Ein Teil der Kollekte des Tages geht an psychosoziale Einrichtungen, „die traumatisierten Flüchtlingen zurück ins Leben helfen“, sagte Kemmner abschließend.
© Baden-Baden – BT- (up)  

21. Februar 2020